Rund um den Skutarisee
Blick vom Bergrücken Rumija in Montenegro, welcher die Adriaküste vom Skutarisee trennt, in Richtung Albanien.
Im Mai war ich zehn Tage mit Apus-Birding in Montenegro und Albanien rund um den Skutarisee unterwegs. www.apusbirding.com Die Reise wurde durch Lorenz und Borut hervorragend organisiert, vorbereitet und geleitet. Ausserdem profitierte ich enorm vom Wissen der anderen Teilnehmer/innen. In unserem Auto sass eine Spezialistin / ein Spezialist zu praktisch jeder Disziplin: Heuschrecken, Wildbienen, Libellen, Schmetterlinge, Reptilien und natürlich Vögel - irgendjemand konnte immer aus dem Vollen schöpfen. Bei aller Begeisterung für die Natur, dem Fachsimpeln sowie unzähligen und intensiven Beobachtungen, kam das Lachen trotzdem nie zu kurz.
Nördlich von Koplik in Albanien blicken wir über den Skutarisee nach Montenegro. Hinter den Bergen liegt die die Adria.
Eine kleine Auswahl der 114 Vogelarten, welche ich beobachten konnte:
Meine Erwartung neue Reptilien- und Amphibienarten anzutreffen wurde übertroffen.
Die Sensation des Tages (oder der Woche): Ein Blindwurm! Dieser wurde, wie fast alle Reptilien, durch Lorenz entdeckt. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein grosser Regenwurm, ist in Wahrheit eine mehrheitlich unterirdisch lebende, kleine und ungiftige Natternart. Der englische Name “wormsnake” ist deshalb treffender. Er kommt nur selten, z.B. nach starken Regenfällen und meist nachts, an die Oberfläche. Seine Beute, vor allem Regenwürmer, jagt er unterirdisch oder unter dichtem Laub.
Kein Regenwurm, sondern eine waschechte Schlange: Der Blindwurm.
Auch die Dalmatinische Spitzkopfeidechse, die Vierstreifennatter oder die Hornviper waren für mich Arten, welche ich vorher nie gesehen hatte.
Urtümliche Landschaften, extensive Landwirtschaft
Sowohl in Montenegro als auch in Albanien sind riesige Flächen bis heute entweder Brachland oder extensiv und kleinräumig bewirtschaftete Steppe. Dies kommt der Biodiversität - besonders den Insekten - zu Gute. Borut hat in seinen Vorträgen allerdings auch immer auf bedenkliche Entwicklungen hingewiesen. Aber Stand heute und mit Schweizer Augen betrachtet, gibt es noch unglaublich viel Natur. Sogar wo Abfall im Wald liegt, dient dieser Schlangen und Insekten als Versteck! Uralte Olivenhaine und Kastanienwälder sind einmaliges Kulturgut und bieten Höhlenbrütern eine Vielzahl an Nistmöglichkeiten.
Insekten
Die Artenvielfalt ist überwältigend und ich war froh, Spezialistinnen und Spezialisten zur Bestimmung mit dabei zu haben; wobei sich Letztere nach dem Aussteigen aus dem Auto oft relativ rasch in den Wiesen und Feldern verloren, während mein Ziel eher die Vögel waren. Nichtsdestotrotz ist mein Interesse an Insekten und der Insektenfotografie auf dieser Reise stark gestiegen. Das Problem: In der Schweiz gibt es etwas über 400 Vogelarten, das ist überschaubar. Bei den Käfern sind es hingegen 6500 und bei den Schmetterlingen rund 4000. Dazu kommen Libellen, Schrecken, Spinnen, Ameisen usw. Bei diesen Zahlen drängt sich eine Spezialisierung auf einzelne Fachgebiete geradezu auf. Der folgende kleine Überblick zeigt die Vielfalt an Formen und Farben auf.
Kleiner Schillerfalter
Rund ums leibliche Wohl
Was wäre eine Reise ohne touristische Aspekte? Essen und Trinken, die jeweiligen Gastgeber sowie schöne Landschaften runden eine Naturreise ab und tragen einen wichtigen Teil zum Gesamterlebnis bei. Besonders das Palata Venezia in Ulcinj bleibt mit seiner Mauer- und Alpenseglerkolonie, gutem Essen und freundlicher Bedienung sowie seiner Toplage in der historischen Altstadt in bester Erinnerung. Auch in Albanien war das Essen hervorragend. Es kam teilweise in Mengen daher, welche auch grosse Esser völlig überforderten.