Massaciuoccoli
Massa… - was? So erging es auch mir, bevor ich vor Ort war.
Zwischen den Apuanischen Alpen und dem Meer, nur wenige Kilometer von der belebten Strandpromenade von Viareggio entfernt, liegt der Massaciùoccoli-See. Ursprünglich eine zum Meer hin offene Salszwasserlagune inmitten eines riesigen Sumpfgebiets, verbleibt heute noch ein 2000 Quadratkilometer grosser, sumpfiger und schilfumsäumter Süsswassersee. Das Gebiet war schon zur Römerzeit besiedelt, im gleichnamigen Dorf am Ostufer lassen sich im archäologischen Museum Überreste einer Villa und römischer Thermen besichtigen. In Torre del Lago, gegenüber von Massaciùoccoli, fand Giacomo Puccini Ruhe und Inspiration.
Der Siedlungsdruck führte zu einem Trockenlegungsprozess des Gebiets, heute liegen die angrenzenden Felder hinter Dämmen teilweise deutlich unter dem Seespiegel. An den Ufern und in den grösseren Lagunen im Schilf stehen zahlreiche Fischerhütten auf Stelzen. Einige werden noch benutzt, viele sind aber verwahrlost oder nur noch Ruinen, was angesichts der traumhaften Lage eigentlich schade ist. Seit 2013 sind See und Sumpfgebiet Teil des Migliarino – San Rossore – Massaciùccoli Naturparks. Dieser Zugvogel-Rastplatz ist international als Ramsar-Gebiet anerkannt und geschützt. Mehr als 260 Vogelarten wurden nachgewiesen.
Wir verbrachten Ende September zwei Wochen Familienferien in Camaiore in einem komfortablen Ferienhaus etwa drei Kilometer vom Meer entfernt. Neben Strand, zahlreichen Ausflügen sowie Spiel und Spass „zu Hause“, fand ich Zeit für einige Besuche im Naturschutzgebiet. Meistens frühmorgens, aber einmal auch für eine gemeinsame Bootsfahrt bei Sonnenuntergang, Geburtstagsgeschenk meiner Tochter und meines Schwiegersohns. Zu Fuss ist das Gebiet über die Bohlenwege durch den Schilfgürtel zwischen See und Lagunen gut zugänglich. Es bestehen drei Beobachtungshütten und eine Plattform mit Sichtschutzwänden. Diese haben leider sehr viele Öffnungen auf unterschiedlicher Höhe, so dass die Vögel die Besucher mitbekommen. Gewöhnungsbedürftig war auch die Atmosphäre in den Beobachtungshütten: Unter Ruhe verstehe ich etwas anderes. Auch frühmorgens waren die lokalen Ornithologen und Fotografen für meine Begriffe sehr gesprächig, wobei auch das Telefonino kein Tabu ist. Aber eben: Andere Länder, andere Sitten.
Beobachtete Arten:
Nebelkrähe, Elster, Dohle, Italiensperling, Amsel, Blaumeise, Türkentaube, Ringeltaube, Turmfalke, Rohrweihe, Seidensänger, Teichrohrsänger, Eisvogel, Mittelmeermöwe, Lachmöwe, Schwan, Stockente, Krickente, Blässhuhn, Teichhuhn, Wasserralle, Kormoran, Graureiher, Silberreiher, Seidenreiher, Kuhreiher, Sichler, Ibis.